Harris Hip Score (HHS)

Hüftbeschwerden und Hüftoperationen aus Patientensicht bewerten

Der Harris Hip Score (HHS) ist ein spezifisches, validiertes Instrument zur Bewertung von Hüftbeschwerden und zur Beurteilung der Ergebnisse von Hüftoperationen. 8 der 10 Items müssen vom Patienten beantwortet werden, um Parameter wie Schmerz und Funktion (Unterstützung, Aktivitäten, Fähigkeit zum Treppensteigen, Sitzen) zu bewerten.

Der Unterschied zu den meisten patientenberichteten Outcome-Tools sind die zwei Items des HHS, die vom untersuchenden Arzt beantwortet werden müssen. Typische Einsatzgebiete sind Patienten, die eine Hüfttotalendoprothese erhalten, sowie Patientengruppen mit Schenkelhalsfrakturen und Hüftarthrose.

Indikationen

Der Harris Hip Score soll zur Beurteilung der Ergebnisse von Hüftoperationen und zur Bewertung von Hüftbehinderungen eingesetzt werden.

Der Fragebogen wurde bereits bei Patientengruppen mit Oberschenkelhalsfrakturen 1, Hüftarthrose 2 und Patienten, die sich einer Hüfttotalendoprothesen-Operation unterziehen 3 4 5, eingesetzt.

Items - Dimensionen - Bearbeitungszeit

Es sind 10 Fragen mit jeweils 2 bis 6 Antwortmöglichkeiten zu beantworten. Es darf nur eine Antwort ausgewählt werden. Acht Fragen werden vom Patienten beantwortet und zwei Fragen müssen vom untersuchenden Arzt ausgefüllt werden.

Der Hüft-bezogene Gesundheitszustand wird anhand der Dimensionen Schmerz, Funktion (Stütze, Gehstrecke, Hinken, Aktivitäten, Treppen, öffentliche Verkehrsmittel, Sitzen) sowie zweier klinischer Parameter (Bewegungsumfang/Range of Motion, Deformität) bewertet.

Im Durchschnitt bedarf es 5 Minuten Bearbeitungszeit 6.

Score-Berechnung

Es gibt eine Gesamtpunktzahl, die die HHS-Ergebnisse darstellt.

Jedes Element hat eine spezifische numerische Skala, die der Anzahl der Antwortmöglichkeiten angepasst wird. Die Anzahl der Antwortmöglichkeiten variiert je nach Frage, ebenso wie die Anzahl der Punkte, die mit jeder Antwortmöglichkeit verbunden sind.

Das Item zum Bewegungsumfang (Range of Motion, RoM) besteht aus 6 durchzuführenden Bewegungen, die auf der Grundlage des möglichen Bewegungsbogens bewertet werden. Jede Bewegung ist mit einem Indexfaktor und einem maximal möglichen Wert verknüpft, die zur Berechnung der Bewegungsbogenpunkte verwendet werden. Diese Punkte werden addiert und mit 0,05 multipliziert, um die Gesamtpunktzahl für den Bewegungsumfang zu erhalten.

Die Gesamtpunktzahl wird berechnet, indem die Punktzahlen für die 4 Domänen (Schmerz, Funktion, RoM, Deformität) addiert werden. 6

Interpretation

Je höher die Punktzahl, desto geringer die Einschränkung.

Die maximale Punktzahl des HHS ist 100, 0 ist das niedrigste mögliche Ergebnis.

<70: schlechtes Ergebnis

70–80: mittelmäßiges Ergebnis

80–90: gutes Ergebnis

90–100: ausgezeichnetes Ergebnis 7

Der HHS ist in englischer Sprache validiert 6 8. Validierungspaper für andere Sprachen sind selten 9. Ein deutsches Quelldokument ist verfügbar, aber es existiert kein deutsches Validierungspaper. 10

Der Fragebogen ist bei verschiedenen Quellen ohne Lizenz erhältlich, z.B. www.orthopaedicscore.com. 11

Es wird keine Lizenz benötigt. Kosten sind nicht zu erwarten.

Der Harris Hip Score ist international weit verbreitet und akzeptiert. Er stellt ein besonderes Instrument dar, weil er nicht nur Fragen enthält, die der Patient beantworten muss, sondern auch klinische Parameter, die vom Arzt bemessen werden müssen. Außerdem ist der Bewertungsmechanismus einfach und intuitiv.

In einer systematischen Übersichtsarbeit wurden Deckeneffekte beobachtet 12. Die ePRO-Umsetzung ist schwierig, da die Bewertung des Bewegungsumfangs und der Deformität eine klinische Untersuchung erfordert.

nicht gelistet

Gern informieren wir Sie unverbindlich über unsere PROMs in UNITY OUTCOME.

Wir freuen uns auf Ihre Anfrage.

Referenzen

  1. Frihagen F, Grotle M, Madsen JE, Wyller TB, Mowinckel P, Nordsletten L. Outcome after femoral neck fractures: a comparison of Harris Hip Score, Eq‐5d and Barthel Index. Injury 2008; 39: 1147–56.
  2. Hoeksma HL, van den Ende CH, Ronday HK, Heering A, Breedveld FC. Comparison of the responsiveness of the Harris Hip Score with generic measures for hip function in osteoarthritis of the hip. Ann Rheum Dis 2003; 62: 935–8.
  3. Harris WH. Traumatic arthritis of the hip after dislocation and acetabular fractures: treatment by mold arthroplasty. An end-result study using a new method of result evaluation. J Bone Joint Surg Am. 1969 Jun;51(4):737-55. PMID: 5783851.
  4. Higgins, Brendan T., et al. „Anterior vs. posterior approach for total hip arthroplasty, a systematic review and meta-analysis.“ The Journal of arthroplasty 30.3 (2015): 419-434.
  5. Söderman, Peter, et al. „Outcome after total hip arthroplasty: Part II. Disease-specific follow-up and the Swedish National Total Hip Arthroplasty Register.“ Acta orthopaedica Scandinavica 72.2 (2001): 113-119.
  6. Nilsdotter, Anna, and Ann Bremander. „Measures of hip function and symptoms: Harris hip score (HHS), hip disability and osteoarthritis outcome score (HOOS), Oxford hip score (OHS), Lequesne index of severity for osteoarthritis of the hip (LISOH), and American Academy of orthopedic surgeons (AAOS) hip and knee questionnaire.“ Arthritis care & research 63.S11 (2011): S200-S207.
  7. Marchetti, Piergiorgio, et al. „Long-term results with cementless Fitek (or Fitmore) cups.“ The Journal of arthroplasty 20.6 (2005): 730-737.
  8. Singh, Jasvinder A., et al. „Clinically important improvement thresholds for Harris Hip Score and its ability to predict revision risk after primary total hip arthroplasty.“ BMC musculoskeletal disorders 17.1 (2016): 1-8.
  9. Dettoni, Federico, et al. „Validation and cross cultural adaptation of the Italian version of the Harris Hip Score.“ Hip International 25.1 (2015): 91-97.
  10. https://vdcpt.ch/wp-content/uploads/Harris-Hip-Score-Harris-Hip-Score.pdf
  11. Pulik, Łukasz, et al. „An update on joint-specific outcome measures in total hip replacement.“ Reumatologia 58.2 (2020): 107.
  12. Wamper, Kim E., et al. „The Harris hip score: do ceiling effects limit its usefulness in orthopedics? A systematic review.“ Acta orthopaedica 81.6 (2010): 703-707.